Wenn Kaffee nach Karamell duftet

Was man hierzulande unter „Kaffee“ versteht, ist eindeutig. Er wird aus Kaffeebohnen gebraut und gilt schon seit Jahrhunderten als höchst beliebtes Getränk mit anregender Wirkung. Doch auch in unseren Breiten wachsen Pflanzen, die sich zu einem Kaffee verwandeln lassen. Waren sie zu Beginn der „Kaffeezeitrechnung“ die leistbare Alternative zur Kaffeebohne, sind sie heute eine wohlschmeckende Alternative für jene, die Koffein schlecht vertragen. Denken Sie an Getreidekaffee oder den Klassiker aus Zichorienwurzel. Wir haben einen Kaffee im Wald gefunden, den Sie vermutlich noch nie gekostet haben. Sein Name ist Eichelkaffee.

Auf die Spur gebracht wurden wir durch das Buch „Nahrhafte Landschaft“ von Michael Machatschek, der den Eichelkaffee erwähnt. Wir wollten wissen, wie dieser schmeckt und gingen auf die Suche nach Rezepten, die wir allerdings nicht fanden. Doch aus Hinweisen im Internet und unserer Kocherfahrung haben wir einen Weg gefunden, um aus den gesammelten Eicheln einen Kaffee zu fabrizieren, der nach Karamell duftet und köstlich schmeckt. Jetzt ist Eichelsaison!

EICHELKAFFEE

  1. Eicheln sammeln, sie sollten unbeschädigt und ohne Loch sein.*
  2. Schale entfernen und in kleine Stücke schneiden.
  3. Schüssel mit Wasser füllen, Eicheln dazugeben und einen Tag an einem kühlen Ort auswässern. Der Sinn dabei ist, die Gerbsäure und Bitterstoffe herauszulösen.
  4. Abseihen und trocknen lassen.
  5. Backrohr aufheizen auf 200 Grad. Eichelstücke auf einem Backblech verteilen (sie sollten Platz haben und nicht aufeinanderliegen) und so lange rösten, bis sie etwas dunkler sind und nach Karamell und Kuchen duften.
  6. Herausnehmen und auskühlen lassen.
  7. Mit Blitzhacker oder anderem Hackgerät zu Pulver zerkleinern.
  8. Fertig!

Zubereitung:  Wasser aufkochen, 2-3 Teelöffel Eichelkaffeepulver in eine Tasse geben. Mit Wasser aufgießen und gut umrühren. Je nach Geschmack Milch und Zucker hinzufügen. Genießen!

Die Eichel als Nahrungsmittel

Die Verwendung der Eichel reicht weit in die Geschichte zurück. Sie wurde früher nicht nur als Tierfutter, sondern auch für den menschlichen Verzehr gesammelt. Eicheln sind nahrhaft und enthalten Stärke, Öl, Zucker und Eiweiß. Bis ins frühe Mittelalter hinein waren sie in Mitteleuropa ein Grundnahrungsmittel. Ihr Mehl wurde unter anderem im Brot verarbeitet. Da die Eicheln Gerbstoffe enthalten (diese wurden in der Ledergerbung verwendet), müssen sie gewässert werden. Eine weitere Methode ist das „Mälzen“- die Eicheln werden angekeimt. Dabei werden sowohl die Gerb- als auch die Bitterstoffe abgebaut.

*Anmerkung: es lohnt sich auszuprobieren, wie gekeimte Eicheln im Vergleich zu nichtgekeimten schmecken.

Foto: (c) Sonja Wöhrenschimmel-Wahl

 

 

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