Die graue Energie in unseren Hühnern

Das lokale Huhn ist globalisiert
Zentral gezüchtet, lokal gemästet, global gefüttert, international verspeist

  • Punkt 1: Zucht in Deutschland (Küken werden mit dem Flugzeug rund um den Erdball geflogen und zählen zu den 50 meistgeflogenen cargo-produkten)
  • Punkt 2: Mast in Österreich (z.B. Wechgeflügel)
  • Punkt 3: Futtermittel aus Argentinien  (Soja)
  • Punkt 4: Brustfilet verspeist Österreich, Hendlhaxn nach Afrika oder in die Müllverbrennung

Das Huhn: Eine Metapher für die Globalisierung

Rund um das Huhn bildete sich ein weltumspannender agroindustrieller Komplex. Das moderne Masthuhn heißt, genau genommen, gar nicht Huhn, sondern Ross 308 oder Cobb 500, manchmal auch SK88 oder ISA 30 MPK. Es stammt aus den Labors einer Handvoll weltweit operierender Zuchtfirmen. Für den Konsumenten sichtbar bleiben ein paar Standardhühner, die überall auf der Welt verkauft werden. Ob als Chicken-Burger,  Grillhendel oder Supermarktangebot – regelmäßig liegen Hühner der beiden Marktführer auf den Tellern. Vorzugsweise aus den Modellreihen Cobb 500 und Ross 308.

Zur Jahrtausendwende kontrollierten Industrieunternehmen 74 Prozent der weltweiten Geflügelproduktion, so die Welternährungsorganisation FAO.  Aufgrund der konzentrierten Produktion in wenigen Labors reisen die Küken um die ganze Welt. Nach Angaben des Logistikkonzerns Lufthansa Cargo gehören Küken sogar zu den 50 am meisten per Luftfracht transportierten Gütern überhaupt. Nach dem Schlüpfen werden die 40 Gramm schweren Küken sofort verpackt und verschickt. Angekommen am „Bauernhof“ wiegt es drei Tage später bereits das Doppelte, nach einer Woche das Fünffache, und bis zur Schlachtreife nach einem Monat wiegt das Huhn das 38-Fache.

Die Züchter haben das Masthuhn über die Jahre gründlich umfunktioniert, zu einer hocheffizienten Maschine, die Getreidefutter in billiges, proteinreiches Tierfleisch verwandelt. Das moderne Masthuhn frisst doppelt so schnell wie eine Legehenne und bewegt sich wenig, fliegt und flattert kaum. Gegen Ende der Mast ruht sie fast nur noch – die Knochen wachsen einfach nicht so schnell wie die Schenkel oder das Brustfleisch. Den Mästern kommt dieses passive Verhalten entgegen: Weniger Bewegung bedeutet weniger Energieverbrauch, also höhere Gewichtszunahme.

Grundlage für die Mästung in der Intensivtierhaltung ist das Kraftfutter, welches nach den Rezepten des ‘freien Marktes’ zusammengestellt wird. Der Futtermix der Hühner stammt aus verschiedenen Weltregionen. Ein Großteil stammt von den Sojaplantagen Südamerikas, wo Soja bereits auf fast 500.000 km2 in Monokultur angebaut wird. Österreich dient der Agroindustrie als Aufzucht- und Konsumstation. Für die Aufzucht und Mästung von den Hühnern, Schweinen und Rindern importiert Österreich alljährlich 600.000 Tonnen Soja.

Wir hier in den reichen Staaten sind die KonsumentInnen erster Klasse. Für uns werden die Brustfilets reserviert. Nach Aufzucht und Verzehr der Gustostückerl geht das globale Geschäft mit dem Huhn weiter. Die für uns unappetitlichen  Hühnerreste gehen dann wieder in alle Welt. Von Europa verschifft man die Reste zumeist nach Afrika. Das Huhn steht im Mittelpunkt des Globalisierungsprozesses, dessen ist sich aber fast niemand bewusst selbst unter Insidern. Und die Dimensionen sind gigantisch. Allein vom größten Schlachtbetrieb in Kärnten werden 350,000 Hühner im Monat ausgeliefert – nur 10,000 davon sind aus Biohaltung.

Und wenn die Hendlrestl nicht hochsubventioniert die regionalen Märkte in Entwicklungsländern stören, dann werden bei uns als Sondermüll thermisch verwertet.

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